Was tun, damit einem im Ehrenamt nicht die Puste ausgeht?
Vorweihnachtsstress beim Geschenkekauf, kurz vor den Feiertagen im Job noch mehrere Deadlines, Krisenstimmung in den Nachrichtensendungen und abends noch schnell für das Ehrenamt tätig. Ganz schön viel um die Ohren – gerade zum Jahresendspurt. Manchem droht da die Puste auszugehen. Andere wiederum strotzen vor psychischer Widerstandskraft. Was machen die anders? Und: Kann man das lernen?
Gerade im Büro angekommen, geht der Stress schon los. Um kurz nach acht steht der erste Termin im Jobkalender. Nicht immer sind solche Termine einfach. Es geht um Menschen und oft schwingen ihre Schicksale, die allgemeine Krisenstimmung und auch die Tagesstimmung mit. Ein Haufen To-dos sind noch vor den Feiertagen abzuarbeiten. In der Mittagspause noch schnell im Café anrufen, um für den Abend die aktuelle Personenzahl durchzugeben. Denn nach Feierabend steht noch ein Treffen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Ehrenamt auf dem Plan. Morgen sieht es ähnlich aus: Da ist die x-te Weihnachtsfeier. Und das, obwohl gerade zu Hause Hilfe gebraucht würde. Klar freust du dich auf die Leute, trotzdem nimmt die Ladung in deinem Akku langsam aber sicher ab – und eigentlich bist du schon im roten Bereich.
Ehrenamt bringt auch Stress mit sich
Durch kniffelige Situationen durchzukommen, Krisen überstehen und Konflikte auflösen zu müssen – das gibt es nicht nur im Job, sondern auch im Ehrenamt. Auch dort kann es Konflikte geben. Manchmal sind ehrenamtliche Tätigkeiten auch ganz schön fordernd und belastend. Wenn sich dann auch noch Stress aus Ehrenamt und Job potenzieren, ist das Risiko besonders groß, ernsthaft an seine Grenzen zu kommen und bei allem guten Willen einfach total überlastet zu sein.
Voraussetzungen dafür, dass Stress positiv wirkt
„Stress ist die Würze des Lebens!“ Dass dieser Ausspruch ausgerechnet vom Mediziner und Vater der Stressforschung, Hans Selye, kommt, mag in Anbetracht solch drohender Überlastung beinahe sarkastisch anmuten. So war er aber gar nicht gemeint. Was Selye damit sagen wollte: An sich muss Stress nicht zwangsläufig negativ sein. Stress kann auch beflügeln. Jeder kennt solche Situationen, in denen trotz Belastung und Druck die Produktivität steigt und man selbst unvorhergesehen schwierige Aufgaben mit Leichtigkeit und fast nebenher meistert. Es gibt jedoch drei Voraussetzungen dafür, dass das gelingt:
- Der Stress darf nicht ununterbrochen anhalten.
- Es muss Phasen der Erholung geben.
- Man ist gut darin, gut mit Stress umzugehen.
Das Grundrüstzeug, um mit den Unplanbarkeiten des Lebens angemessen umgehen zu können – also eine gute Stressbewältigung –, nennt man auch Resilienz. Manche Menschen bringen von Natur aus eine außergewöhnlich hohe psychische Widerstandskraft mit. Der Trost für alle, die nicht so gestrickt sind: Resilienz lässt sich erlernen.
Was resiliente Menschen anders machen
Dazu lohnt der Blick auf das, was besonders belastbare und resiliente Menschen richtig machen. Almut Lewe, Resilienz-Trainerin und in dieser Funktion auch schon bei einer Sicherheitskonferenz der dbb jugend nrw dabei, sieht verschiedene Schlüsselfaktoren. Das Wichtigste: Optimismus. Wer daran glaubt, dass das Leben mehr Gutes als Schlechtes für einen bereithält, der schaut gestärkt und mit einem positiven Blick auf die Dinge.
Ein weiterer Faktor: Das Gefühl, seines Glückes Schmied zu sein und Einfluss auf den Verlauf seines Lebens nehmen zu können. Daraus nährt sich das Vertrauen in die persönlichen Fähigkeiten, in die eigenen Stärken und in die jeweiligen Kompetenzen. Menschen, die so unterwegs sind, sind auch in Situationen, in denen es mal nicht ganz rund läuft, einfach widerstandsfähiger. Denn sie zweifeln dann nicht so schnell an sich selbst oder neigen dazu, die Lage als aussichtslos einzuschätzen. Diese Menschen haben nämlich klar vor Augen, dass sie mit ihren Fähigkeiten das Beste aus der Lage machen werden. Sie sind zudem lösungsorientiert unterwegs, wie man aus der Resilienzforschung weiß. Resiliente Menschen sehen nicht das Problem, sondern die Herausforderung hinter dem Problem. Sie konzentrieren sich auf die Chancen, die aus einer Problematik hervorgehen.
Psychisch widerstandsfähige Menschen zeichnet außerdem aus, dass sie in der Lage sind, unvermeidbare oder unveränderbare Situationen als solche anzunehmen. Auch wer solche Fähigkeiten nicht von vornherein mitbringt, kann sie sich aneignen. Nach Überzeugung der Resilienz-Trainerin hat jeder unbewusst schon Strategien aufgebaut, mit denen er schwierige Situationen angehen kann.
Erster Schritt zu mehr eigener Widerstandsfähigkeit
„Wichtig ist, Denkfallen zu identifizieren“, sagte Lewe gegenüber der dbb jugend nrw. Man müsse sich also darüber klar werden, was einen persönlich zum vorzeitigen Aufgeben bringe. Am Anfang des Umdenkens steht also: Einen Plan machen und Visionen formulieren. Das hilft, sich von negativen Erfahrungen nicht umwerfen zu lassen.
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