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Bild aus Tschernihiw nach dem Angriff

Ukraine-Krieg: Bomben auf Tschernihiw

Internationaler Austausch
15. März 2022

Putins brutaler und verbrecherischer Angriffskrieg gegen die Ukraine entsetzt Europa und die Welt. Auch die dbb jugend nrw ist erschüttert. Sie ist mit der Ukraine und ihrem ukrainischen Partnerverband in der Region Tschernihiw seit 30 Jahren eng und freundschaftlich verbunden.

Über Tschernihiw liegt schwarzer Rauch. Die 300.000 Einwohner zählende Stadt liegt etwa 150 km nördlich von Kiew. Eigentlich ist Tschernihiw bekannt für seine zahlreichen gut erhaltenen historischen Kirchen und Klöster. Doch seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 ist die Stadt kaum wiederzuerkennen.

Seither wird Tschernihiw von russischen Streitkräften angegriffen. Straßen und Grünflächen sind von Kratern übersäht. Steinbrocken und Trümmer liegen herum. Brücken, Straßen und viele Gebäude sind zerstört. Darunter auch zivile Einrichtungen: Schulen und Privathäuser wurden getroffen, ein Kino, eine Bibliothek, das Stadion und ein Einkaufs­zentrum. Auch Krankenhäuser und ein Kindergarten sind unter Beschuss geraten. Wladyslaw Atroschenko, Bürger­meister von Tschernihiw sagt, die Stadt habe viel stärker gelitten als während des Zweiten Weltkriegs, als sie im August 1941 drei Tage lang ununterbrochen bombardiert wurde.

Jeden Tag kämpfen die Bewohner Tschernihiws gegen die russische Invasion und um ihr Überleben. Bombenalarm, Gewehrsalven und der ohrenbetäubende Donner von Explosionen sind allgegenwärtig. Familien flüchten immer wieder in Keller und Schutzräume. Dort harren sie verängstigt aus, ohne Wasser, Heizung, Elektrizität und im Dunkeln. Wer Glück hat, bekommt einmal am Tag von Freiwilligen eine warmen Mahlzeit gebracht. Wer kein Glück hat, kann sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen. 70 Bewohner sollen bereits gestorben sein.

Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Die letzte Delegation der dbb jugend nrw 2018 zu Gast in Tschernihiw

Die dbb jugend nrw bewegt all diese schrecklichen Nachrichten sehr. Mit der Ukraine und ihrem ukra­inischen Partnerverband in der Region Tschernihiw ist sie seit 30 Jahren eng und freundschaftlich verbunden. Viele Mitglieder der dbb jugend nrw waren im Zuge von Austauschmaßnahmen bereits in Tschernihiw zu Gast – zuletzt im Jahr 2018. Mit ihren Besuchen verbinden alle unglaublich gastfreundliche und herzliche Menschen. Menschen, die jetzt um ihr Überleben kämpfen – mit allem, was sie haben. Sie kämpfen, posten Anleitungen zum Bau von Molotowcocktails, bilden Netzwerke, organi­sieren sich und unterstützen sich gegenseitig. Und wenn es sein muss, gehen sie auf die Straße und stellen sich direkt vor die anrückenden russischen Panzer, um diese aufzuhalten.

„Wir leben und kämpfen“

Mit vielen ihrer ukrainischen Freunde steht die dbb jugend nrw in engem Austausch. Dimitri Nikonenko, der 1993 den Austausch mit der dbb jugend nrw mit begründet hat, brachte die Situation kürzlich schnörkellos auf den Punkt: „Wir leben und kämpfen.“ An einen geregelten Alltag ist nicht zu denken. Wie derzeit in vielen anderen Städten der Ukraine weiß man abends, wenn man zu Bett geht, auch in Tschernihiw nicht, ob man am nächsten Morgen wieder aufwachen wird.

Um ihre Freunde in der Ukraine macht sich die dbb jugend nrw daher große Sorgen. Sie denkt auch an all die unschuldigen Opfer, die unter diesem sinnlosen Krieg leiden. „Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die im Krieg um ihr Leben kämpfen“, macht Landesjugendleiterin Susanne Aumann die Haltung der dbb jugend nrw deutlich. „Gleichzeitig geht unser Alltag hier fast normal weiter. Wir leben, arbeiten oder gehen aus. Die Gleichzeitigkeit dieser Ereignisse kaum zu ertragen, betäubend. Wir – die dbb jugend nrw – stehen mit unserer Haltung für zentrale Werte der Freiheit, Demokratie und Solidarität. Das alles steht gerade auf dem Spiel.“

Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die im Krieg um ihr Leben kämpfen.

Susanne AumannVorsitzende der dbb jugend nrw

Angesichts der schrecklichen Ereignisse fühlt man sich auch bei der dbb jugend nrw so hilflos. Tröstlich ist, wenn man damit zumindest nicht alleine ist. In einem Zoom-Workshop kamen interessierte Mitglieder kürzlich zusammen, um über Putins Angriffskrieg auf die Ukraine zu sprechen, die Geschehnisse zu reflektieren und sich auszutauschen. Schnell wurde der Wunsch geboren, denjenigen Menschen in der Ukraine und auf der Flucht zu helfen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Ukraine-Spendenaktion der BBBank

Hierfür empfiehlt die dbb jugend nrw die Spendenaktion der BBBank. Mit 100% der eingehenden Spenden unterstützt die BBBank ausgewählte Organisationen, um gemeinsam zeitnah zu helfen: mit humanitären Sofort-Hilfen vor Ort bzw. auf den Fluchtrouten, sowie mit Hilfen für nach Deutschland Geflüchtete. Alle eingehenden Spenden stockt die BBBank um 1/3 auf (insgesamt maximaler Aufstockungsbetrag 100.000 Euro). Die dbb jugend nrw beteiligt sich an dieser Spenden­aktion. Auch allen ihren Mitglieder legt sie diese Aktion wärmstens ans Herz.

Lasst uns das tun, was Gewerkschaften ausmachen: Solidarisch sein. Und einstehen für die Schwachen.

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