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Jobpraktikum im Stettiner „Spinatpalast“

Verbandsleben
20. Juli 2022

Für kurze Zeit ins Ausland gehen und es wird finanziell unterstützt. – Hört sich zu schön an, um wahr zu sein. Ist aber möglich. Junge Menschen im Job haben die Chance, über das Förderprogramm „Erasmus+“ Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Doch kaum einer weiß davon. Nicole Schorn hat es selbst ausprobiert.

Gut aufgenommen fühlte sich Nicole Schorn (Mitte) bei ihren vorübergehenden Kolleginnen in Stettin

Der Schreibtischstuhl von Nicole Schorn steht eigentlich bei der Wuppertaler Feuerwehr. Für einige Zeit allerdings stand er in Polen: genau genommen im Stettiner Rathaus, in der internationalen Abteilung, die dem Büro des Stadtpräsidenten angehört. Denn Nicole hat sich für das „Erasmus+“-Bildungsprojekt „Wuppertal goes Europe“ beworben. Darüber hat sie nicht nur den Kontakt in die historische Stadt Stettin erhalten, sondern wird auch finanziell gefördert. Reise- und Unterkunftskosten werden über „Erasmus+“-Pauschalen übernommen.

„Von manchen Ländern hat man kaum eine Vorstellung“

„Ich finde es toll, die Erfahrungen hier in Polen zu sammeln“, sagt Nicole. Was sie jedoch erstaunt: „Es weiß fast niemand von den Möglichkeiten in der EU ein Praktikum zu machen.“ Dass das Förderprogramm sie nun nach Polen führen würde, hätte sie selbst zu Beginn nicht geglaubt. Der Grund: Von manchen Ländern habe man kaum keine Vorstellung, sagt die ehrenamtlich als stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) tätige junge Frau. Von manchen sogar eher andere Vorstellungen.

So ging es auch Nicole. Bei den Vorüberlegungen zum Praktikumland, das sie bereisen könnte, kamen ihr als erstes die Länder in den Sinn, die sie im Urlaub schon bereist hat. Polen zählte nicht dazu. „Ich hatte eher an Griechenland gedacht“, berichtet sie frei heraus. Entsprechend groß war das erste Erstaunen, als ihr die Mitarbeiterin der EU-Förderung Polen – konkret Stettin – vorschlug, erinnert sich Nicole. Zu Hause angekommen habe sie erst einmal nach Fotos gegoogelt. Nach wenigen Eindrücken war dann aber die Entscheidung gefallen. „Ich war gleich begeistert“, räumt die Kommunalbedienstete ein.

„Ich will unbedingt wieder hin“

Jetzt im Nachgang der Entscheidung sei sie vollkommen glücklich. Die Fotos, die sie vorab auf Google gesehen hat, sind jetzt mit lebendigen Erinnerungen gefüllt. Mit vielen interessanten und lehrreichen Momenten und Begegnungen zu „vollkommen aufmerksamen und netten Menschen“, sagt Nicole. Polen ist für sie dadurch kein weißer Fleck auf der Landkarte mehr. Im Gegenteil: „Ich will unbedingt nochmal im Urlaub dorthin zurück“, sagt sie jetzt. Von Stettin aus – der siebtgrößten Stadt Polens übrigens – ist man in nur einer Stunde an den Stränden der Ostsee, sagt Nicole.

Seit 2016 bietet die Stadt Wuppertal als eine der wenigen Städte in Nordrhein-Westfalen Auszubildenden, Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Führungskräften berufliche Auslandsaufenthalte an. Bislang haben mehr als 90 Beschäftigte der Stadt ein EU-Praktikum in einer von 35 Partnerstädten gemacht. „Die Chance darauf sollte man auch in anderen Städten mehr publik machen und nutzen“, findet Nicole. Sie weiß jetzt aus eigener Erfahrung, welche Unterstützung man auf dem Weg dorthin erfährt und wie freundlich man über die organisierten Kontakte begrüßt und aufgenommen wird.

Der Weg zum Schreibtisch führt in den „Spinatpalast“

Schon auf den Fotos, die sie vorab beäugt hat, verliebte sie sich in den „Spinatpalast“, wie die Stettiner liebevoll ihr historisches, grün angepinseltes Rathaus nennen. Über seine geschwungenen historischen Marmortreppen mit den kunstvoll geschmiedeten Treppengeländern nimmt sie nun selbst jeden Tag neben 1000 anderen Kolleginnen und Kollegen ihren Weg ins Büro.

Von ihrem vorübergehenden Zuhause kann sie das Rathaus fußläufig erreichen. Das ist kein Zufall. „Ich habe mein Appartement mit Absicht so nah gewählt“, sagt Nici. Schließlich habe sie nicht gewusst, was sie in Stettin erwartet und wie sie sich dort über öffentliche Verkehrsmittel organisieren könnte. Es wäre kein Problem gewesen, wie sie jetzt weiß.

Übergriffe auf Beschäftigte kennt man hier nicht

In wohl gedachter Mission habe sie zudem einen Berg an Flyern der Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ mit in ihr Gepäck gepackt. Denn, so viel war für die junge Frau vollkommen klar: Auch in Stettin werde man sich für das Thema „Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst“ interessieren. Doch dort schaute man sie nur verwundert an. „Natürlich gibt es auch dort einmal Diskussionen mit Bürgern, aber so wie ich meine Erfahrungen von hier beschrieben habe, kann man sie dort nicht teilen“, sagt Nicole.

Ich bin vollkommen glücklich darüber, wie nett und zuvorkommend man sich hier um mich gekümmert hat.

Nicole Schorn

Umgekehrt setzt sie in Erstaunen, wie vollkommen anders junge Menschen in Polen auf die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung vorbereitet werden. „Die Ausbildung ist grundlegend anders“, sagt Nicole. Im Gegensatz zum beruflichen Start hierzulande haben die meisten der Kommunalbeschäftigten in Polen an einer freien Hochschule studiert. „Meine Ansprechpartnerin in der Internationalen Abteilung hat beispielsweise Germanistik studiert“, sagt die deutsche Kommunalbedienstete. Im Anschluss an das Studium steht ein mehrwöchiger verwaltungsspezifischer Vorbereitungskurs an. Dann kann man mit der Arbeit im Staatsdienst loslegen.

„Stettin ist in der Digitalisierung weit vorne“

Bei aller Andersartigkeit auf der einen Seite staunt sie jedoch auch über die Gemeinsamkeiten. Verwaltung sei einfach Verwaltung. Als sie das Rathaus betrat, fielen ihr gleich die vielen Menschen vor dem Einwohnermeldeamt auf. „Es ist schockierend ähnlich“, sagt sie: Verwaltungsvorgänge und Stempel – all das erinnert sie an zu Hause. Was sie überrascht: die Modernität, die sie in Stettin vorfindet. In Sachen Digitalisierung sei man ähnlich weit wie Wuppertal. „In NRW ist Wuppertal Modellkommune – in Stettin ist man ebenso weit – auch ohne Modellkommune zu sein“, sagt die Kommunalbeamtin.

Eingesetzt ist sie in der Internationalen Abteilung. Nah zu Deutschland gelegen und verbunden durch eine gemeinsame Geschichte kümmern sich die Beschäftigten dort um verschiedene Herausforderungen innerhalb des Grenzraumes. Dazu zählen beispielsweise fehlende Sprachkompetenzen bei der Kommunikation zwischen polnischen Bürgern und deutschen Behörden. Stettin nämlich hat durch die Grenznähe relativ viele Bewohner, die beispielsweise über einen gewissen Zeitraum hinweg in Deutschland gearbeitet haben und dadurch auch mit deutschen Finanzämtern oder Krankenversicherungen zu tun haben.

„Ich bin vollkommen glücklich darüber, wie nett und zuvorkommend man sich hier um mich gekümmert hat“, sagt die Wuppertalerin. Eigens für sie wurde die Teilnahme an einer Führung durch die Stettiner Philharmonie und anderen imposanten Gebäuden organisiert.

„Ich finde es schade, dass viele gar nichts über die Möglichkeiten eines solchen Auslandspraktikums wissen“, hält Nicole fest. Es ist eine riesige Chance und gespickt mit spannenden Eindrücken aus einem Land, das man sonst wahrscheinlich nie bereist hätte.

Zentrum jeder polnischen Stadt ist der „Rynek“ – zu deutsch: Marktplatz

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