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NRW-Kommunen: wenig Frauen in Chefpositionen

Öffentlicher Dienst
15. Dezember 2022

In Nordrhein-Westfalens Kommunen bleiben die Führungsetagen eine Männerdomäne. Gerade einmal 14,3 Prozent sind von Frauen besetzt. Damit belegt NRW einen der hintersten Plätze im Bundesvergleich. Die Einzelheiten.

Seit vielen Jahren mühen sich Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, das Ungleichgewicht in den meist männerdominierten Führungsetagen auszugleichen. Bundesweit allerdings nur mit mäßigem Erfolg: Frauen bleiben unterrepräsentiert.

Das wurde in einer Studie des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy der Zeppelin Universität in Friedrichshafen deutlich, in der in Summe bundesweit 2.102 kommunale Unternehmen sowie 772 Unternehmen der Bundes- und Landesebene unter die Lupe genommen wurden.

Nur jede siebte Chefstelle von Frau besetzt

Besonders Nordrhein-Westfalen schneidet schlecht ab. Dort wird beinahe nur jede siebte Stelle in der Chefetage mit einer Frau besetzt. Der prozentuale Anteil liegt dementsprechend bei 14,3 Prozent und damit deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts von 20,6 Prozent. Ihre kommunalen Daten sammelten die Wissenschaftler unter anderem jeweils in den vier größten Städten des jeweiligen Bundeslandes. In NRW waren dies Essen, Dortmund, Köln und Düsseldorf.

Das Ergebnis: Unter allen 16 Bundesländern landet NRW auf einem der hintersten Ränge (Platz 12). „Dabei dürfte man sich eigentlich ausgerechnet von NRW als bevölkerungsreichstem Bundesland eine Leuchtturmfunktion wünschen“, sagt Susanne Aumann, Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). Unternehmen der öffentlichen Hand hätten gesamtgesellschaftlich zudem eine Vorbildfunktion. Es sei beschämend, dass der Öffentliche Dienst dem offensichtlich so wenig nachkomme.

Wir denken, dass untersucht werden sollte, welche Faktoren für Frauen wichtig sind, damit solche Positionen erstrebenswert sind.

Susanne AumannVorsitzende dbb jugend nrw

In den östlichen Bundesländern hingegen ist die weibliche Besetzung von Positionen im Top-Management der Verwaltungen überdurchschnittlich hoch. Es zeige sich ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West – so halten es die Studienautoren Ulf Papenfuß und Christian Arno Schmidt fest. Mehr als die Hälfte der Städte, die mehr als 30 Prozent weiblichen Führungsanteil haben, liegen in Ostdeutschland.

In manchen Städten keine einzige Frau an der Führungsspitze

Im Städte-Vergleich zeigt sich also ein beachtlicher Unterschied. Nur in zwölf der 69 untersuchten Kommunen liegt die Frauenquote in der Führungsetage bei über 30 Prozent. Bei 16 Städten liegt sie unter 10 Prozent. In fünf Kommunen – nämlich Heidelberg, Ingolstadt, Neunkirchen, Trier und Völklingen – gab es keine einzige weibliche Führungskraft.

Nach Inkrafttreten des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes stelle sich die Frage, warum der Frauenanteil in Bund, Land und Kommunen so unterschiedlich sei. Zumal bundesweit darauf abgezielt werde, dass Frauen auf Führungspositionen in öffentlichen Unternehmen besser repräsentiert sein sollen.

Eine der Ursachen, die nach Auffassung der Wissenschaftler dazu führen, dass Führungspositionen so wenig weiblich besetzt sind: Es müsse eine bessere Kultur in den Gebietskörperschaften geschaffen werden – Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer und Frauen zähle dazu. Veränderungen seien zudem bei den handelnden Entscheidungsträgern in der Kommunen nötig. Zudem sei es erforderlich, die Talentpools auf den zwei Hierarchieebenen unterhalb des Top-Managements zu vergrößern und schon dort den Frauenanteil zu fördern und zu steigern.

Führungspositionen attraktiver gestalten

„Wir denken, dass auch weiter untersucht werden sollte, welche Faktoren für Frauen wichtig sind, damit solche Positionen erstrebenswert sind. Wir müssen an der Attraktivität des Öffentlichen Dienstes arbeiten, um das Potential von Frauen dort ausschöpfen zu können und zu erreichen, dass sich Frauen auch für diese Positionen interessieren“, sagt Aumann. Wolle man das im Bundesgleichstellungsgesetz festgesetzte Ziel einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen bis 2025 auch in NRW übernehmen, sei noch unheimlich viel Luft nach oben.

Was besonders nachdenklich stimmt: Insgesamt arbeiten im Öffentlichen Dienst mehr Frauen als Männer. Während die Quote im Jahr 1998 noch bei jeweils 50 Prozent lag, ist der Anteil der Frauen bis zum Jahr 2019 deutlich gestiegen. Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes liegt der Anteil der beschäftigten Frauen bei rund 58 Prozent.

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