Skip to main content

Corona-Pandemie: junge Menschen stark belastet

Jugendpolitik
12. September 2022

Auch wenn von Corona keiner mehr so recht sprechen will – die Probleme dauern an. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind von den Folgen der Pandemie betroffen, belegt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts. Was belastet die 15- bis 25-Jährigen besonders?

Freunde treffen, zur Burger-Bude fahren, Sport machen und auf Partys gehen – trotz Corona scheint die Welt für Jugendliche wieder im Lot zu sein. Doch der Schein trügt. Die Pandemie hat Folgen hinterlassen, die wie tiefe Fußabdrücke in Beton von bleibender Natur sind. Das zeigt eine gerade erschienene Studie des Deutschen Jugendinstituts. In Langzeituntersuchung wurden vor der Pandemie und im Herbst 2021 – also lange nach den strikten Lockdowns – rund 1.500 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren befragt.

Die Hauptprobleme liegen im lange eingeschränkten Aktionsradius, bei den ins Digitale verlagerten Beziehungen zu Gleichaltrigen, den veränderten Lernbedingungen, Hürden beim Auszug aus dem Elternhaus und beim Wechsel in Ausbildung, Studium und Beruf. So fasst es Sabine Walper, Direktorin des Deutschen Jugendinstituts, zusammen. All dies wirke sich immer noch negativ auf das Wohlbefinden der jungen Menschen aus.

Viele Lebensbereiche leiden

Ein erwartbares Ergebnis: Die Psyche vieler junger Menschen hat gelitten. Während ein Jahr vor der Pandemie rund zehn Prozent angaben, unter depressiver Verstimmung zu leiden, stieg die Zahl im Frühjahr 2020 auf mehr als 22 Prozent und blieb auf hohem Niveau. Mehr als 16 Prozent gaben auch im Mai 2021 noch an, seelisch zu leiden.

Nicht gerade verbessernd wirkt auf diese Situation ein, dass sich ein Großteil der jungen Menschen finanziell weniger unabhängig fühlen. Lediglich 47 Prozent sind im Jahr 2021 mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Der Einkommensverlust trifft dabei vor allem diejenigen, die ohnehin weniger Unterstützung aus ihrer Familie erhalten können.

Es ist aber auch insgesamt das Gefühl der Jugendlichen, ihr Leben selber zu bestimmen, das gelitten hat.

Sabine WalperDeutsches Jugendinstitut

Ganze Lebenswege haben sich verändert. So sind nur etwas mehr als die Hälfte der 15- bis 25-Jährigen mit ihrer Situation in Schule, Ausbildung oder Studium zufrieden. Vor der Pandemie lag der Wert bei 71 Prozent. 45 Prozent gaben an, dass sie ein Praktikum oder einen Auslandsaufenthalt verschieben mussten. Rund zehn Prozent konnten wegen Corona nicht bei den Eltern ausziehen wie eigentlich geplant. Sieben Prozent mussten sogar wieder bei den Eltern einziehen. Acht Prozent konnten wegen der Coronasituation nicht mit ihrem Partner oder der Partnerin zusammenziehen.

Es ist wichtig, jungen Menschen mehr Gehör zu verschaffen

Kurzum: Ausbildung, Freundschaft, finanzielle Unabhängigkeit und die psychische Gesundheit haben gelitten. „Es ist aber auch insgesamt das Gefühl der Jugendlichen, ihr Leben selber zu bestimmen, das gelitten hat“, sagt Walper. Das nimmt man auch im Bundesfamilienministerium zur Kenntnis. Mit dem Nationalen Aktionsplan Kinder- und Jugendbeteiligung will Bundesfamilienministerin Lisa Laus der Situation etwas entgegensetzen. Es sei wichtig, jungen Menschen mehr Gehör zu verschaffen und ihre Beteiligung zu stärken.

Für unerlässlich hält Walper neben einer besseren Jugendbeteiligung auch gezielte Angebote für professionelle Unterstützung und Beratung. Anlass für die dbb jugend nrw, an ihrem bewährten Unterstützungsprogramm in Schulen und Fortbildungen junger Menschen festzuhalten und darin weiterhin zu investieren. Der gewerkschaftliche Jugenddachverband bietet nicht nur in Schulen persönlichkeitsbildende Workshops für jüngere Kinder und Jugendliche an, sondern im jährlichen Aus- und Fortbildungsangebot auch für Jobstartet und junge Menschen in Ausbildung.

Und was die Wichtigkeit angeht, jungen Menschen mehr Gehör zu verschaffen: Gerade als junger Mensch muss man mit seinen Anliegen manchmal richtig laut rufen – und die Worte kommen trotzdem nicht an. Bei der dbb jugend nrw reicht Zimmerlautstärke und die Worte landen direkt im Ohr von Entscheidungsträgern in der Politik: beim Parlamentarischen Abend „Meet & Greet – Jugend trifft Politik“ am 29. September in Düsseldorf.

Mehr dazu

Unterführung

Düstere Aussichten für „Generation Corona“

Jeder Zehnte in Deutschland ist zwischen 15 und 24 Jahre alt. Auf diese jungen Menschen schauen Zukunftsforscher mit Sorge. Denn sie trifft die Pandemie in einer Zeit wichtiger Entwicklungsbereiche: dem Erwachsenwerden, der Part­ner­suche und der Berufswahl. Was werden die Folgen für diese Generation sein?
2. Februar 2022

Wie die Zahl an Corona-Burnouts im Öffentlichen Dienst steigt

In vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes hat die Pandemie die Anforderungsmesslatte für die Beschäftigten extrem hoch gelegt. Im Bemühen, immer für Lösungen zu sorgen, geht das nicht spurlos an allen vorüber. Das Risiko für Burn­out ist gestiegen. Das zeigt sich auch in der hohen Zahl an Therapienachfragen in einer psychosomatischen Klinik, die auf Berufe des Öffentlichen Dienstes spezialisiert ist.
3. Dezember 2021

In Pandemiezeiten nehmen die Übergriffe zu – vor allem im Netz

Kommunen berichten von verbalen Konflikten und tätlichen Übergriffen auf ihre Mitarbeiter/innen, Ordnungskräfte und Polizisten werden gezielt angegriffen. Das Thema „Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst“ ist in Zeiten der Pandemie aktueller denn je und bekommt eine weitere Dimension: Auch im Netz kursieren Hetze und Gewalt. Zeit, etwas zu tun, findet die dbb jugend nrw.
21. Juli 2021

© 2022 dbb jugend nrw